Fair gehandelte Geschenkartikel im Großhandel seit 1995

logo

🌏 Ein unheimlicher Zufall... und etwas Trübes in einem Krug

Mon Nov 02 2026 16:17:35 GMT+0000 (Coordinated Universal Time) · Von Jana Tomášková
image

Grüße aus Bali & Happy Halloween!

Ich bin nach einer großartigen Reise durch Nepal und Indien wieder zurück auf Bali. Ich hoffe, ihr seid schon in Halloween-Stimmung – ja, das gruselige Wochenende steht bereits vor der Tür! Hier auf Bali wird Halloween natürlich ganz im Bali-Stil gefeiert. Sogar die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in meinem Lieblingscafé, in dem ich gerade schreibe, sind verkleidet. Das hat mich daran erinnert, dass sich heute auch Rodrigo und das britische Team im AW-Hauptquartier verkleiden werden – ich vermute, dort wird es noch deutlich spektakulärer! Halloween ist wirklich zu einem globalen Fest geworden.

Letzte Woche habe ich euch von Mangos, Milchshakes und nächtelangen Raves in Gujarat erzählt. Falls ihr das verpasst habt, könnt ihr hier nachlesen.

Zumindest Bali ist friedlich. Der Lärm in Indien hatte mich langsam in den Wahnsinn getrieben. Als wir jedoch in Alleppey in Kerala ankamen, dachte ich zunächst, hier müsse ein Fehler passiert sein. Hier herrschten Ruhe und Frieden. Keine hupenden Autos. Keine dröhnende Festivalkulisse. Ruhige, gelassene Menschen und im Hintergrund die friedliche Landschaft der traumhaften Backwaters, für die Kerala berühmt ist.

Die Region ist außerdem erstaunlich gut darin, die Haustüren der Welt auszustatten. Die Kokosmatte mit „Welcome Home“, die vor einer Haustür liegt, könnte sehr gut hier ihren Anfang genommen haben. Rund um Alleppey verarbeiten Dutzende Fabriken Kokosfasern zu Millionen von Fußmatten. Wir waren gekommen, um mehr darüber herauszufinden.

mat welcome.jpeg

Eine seltsame Begegnung an der Tankstelle

Wir hatten einen Fabrikbesuch bei einem Hersteller vereinbart, dessen Produkte uns auf der Messe in Delhi gefallen hatten. Während unseres Aufenthalts wollten wir uns dort außerdem noch etwas genauer umsehen.

Unsere erste kleine Entdeckung machten wir allerdings schon, bevor wir überhaupt im Hotel ankamen.

Auf der zweistündigen Fahrt vom Flughafen Kochi über eine halb fertiggestellte Mautstraße, die bereits so aussah, als würde sie bald repariert werden müssen, hielten wir an einer Tankstelle, um die Toiletten zu benutzen. Herr Chatterjee ging kurz zum Rauchen nach draußen.

Ein Herr, der gerade sein Auto betankte, entdeckte ihn, kurbelte das Fenster herunter und winkte. „Hallo, Sir! Ich kenne Sie. Erinnern Sie sich an mich?“

Nun ist Herr Chatterjee auf der Messe in Delhi durchaus eine auffällige Erscheinung. Groß gewachsen, dazu eine markante Frisur. In einer Menschenmenge übersieht man ihn nicht so leicht. Der Herr stellte sich als Herr Shali heraus, Verkaufsleiter einer Kokosmattenfabrik, die zufällig nur wenige Minuten von unserem Hotel entfernt lag. Und schon hatten wir unseren zweiten Fabrikbesuch organisiert. Manche Menschen nutzen Business-Netzwerke. Wir nutzen Tankstellentoiletten.

Wir lernten Herrn Shali ziemlich schnell ziemlich gut kennen. Wobei der Toddy vielleicht ein wenig geholfen hat. Mehr dazu später.

Kokosnüsse, Maschinen und ein sehr ruhiger Chef

Die Fabriken waren beeindruckend. Natürlich handelt es sich um eine traditionsreiche Branche, aber eine, die sich an die heutige Zeit anpasst.

Herr Shali führte uns durch ein ganzes Fabrikgelände mit Gebäuden, die über Generationen hinweg entstanden waren. In einem standen riesige alte Webstühle, die ursprünglich in den 1940er-Jahren gebaut worden waren und noch immer ihren Dienst verrichteten. In einem anderen stellten hochmoderne Gummiformmaschinen die Rückseiten der Matten her. An anderer Stelle sorgten Siebdruck und farbige Baumwollfasern für den letzten Schliff der Matten.

image - 2026-10-30T090451.897 copy.png

image - 2026-10-30T09o0451.897 copy.png

image - 2026-10-30T090446.031.png

Dann gab es noch die Seilerei.

Stellen Sie sich ein Gebäude vor, so lang wie ein Cricketfeld, mit Schienen, die hindurchführen, und Kokosseilen, die sich fast über die gesamte Länge erstrecken. Kuriose Konstruktionen, die direkt aus einem Heath-Robinson-Film stammen könnten, verdrehten und wickelten die Fasern, bevor sich zwei Männer mit einem Wagen auf den Schienen in Bewegung setzten und mit einem dramatischen Endspurt davonfuhren. Das fertige Seil wurde auf riesige Spulen aufgewickelt.

image - 2026-10-30hT090451.897 copy.png

image - 2026-10-30T090451.897.png

Ich hätte die Maschinen nicht erklären können, aber ich hätte ihnen problemlos den ganzen Nachmittag zuschauen können.

Der gesamte Betrieb war ein einziges Labyrinth aus geschäftigem Treiben. Rund 300 Menschen arbeiten dort, und die Arbeitsbedingungen schienen ausgezeichnet zu sein. Alle, die wir trafen, wirkten freundlich und gut gelaunt.

Während der Führung fiel mir ein junger Mann auf, der uns aus einiger Entfernung still beobachtete.

Chatterjee, der sich ein wenig in Szene setzen wollte, bat ihn, Fotos von uns gemeinsam mit Herrn Shali zu machen. Nachdem die Fotos aufgenommen waren, schickte er ihn wieder weg. Später, in einer anderen Halle, als wir einige beeindruckende Hydraulikpressen besichtigten, die zum Prägen der Matten verwendet werden, war der junge Mann wieder da. Still beobachtend, beinahe mit den Schatten verschmelzend.

Ich ging zu ihm hinüber.

„Sie sind der Chef, oder?“

Er lächelte und nickte, mit einem deutlich amüsierten Funkeln in den Augen.

Das war Hari, der Sohn des Chefs und bereits die dritte Generation des Familienunternehmens.

Als Chatterjee bemerkte, dass er gerade dem Nachwuchs der Geschäftsführung Anweisungen gegeben hatte, wurde er tatsächlich rot. Hari schien das Ganze ausgesprochen lustig gefunden zu haben.

Und dann erwähnte jemand Toddy …

Nach der Führung, dem Besuch im Ausstellungsraum und den geschäftlichen Gesprächen fragten Herr Shali und Hari, ob es etwas Lokales gäbe, das wir gerne sehen würden. Chatterjee wollte den Strand besuchen. Kerala ist für seine Backwaters berühmt, hat aber auch lange Sandstrände, und wir waren neugierig, wie sie im Vergleich zu Goa aussehen.

Ich hatte allerdings einen kleinen kulturellen Ausflug im Sinn. Anders als Gujarat ist Kerala kein trockener Bundesstaat. In der Gegend, in der wir untergebracht waren, gab es allerdings nur wenige Bars. Ich erinnerte mich, über die lokalen Toddy-Shops gelesen zu haben, in denen Kallu – Palmwein – ausgeschenkt wird. Könnten wir vielleicht auf dem Weg bei einem vorbeischauen?

Und so fanden wir uns auf einem schlammigen Parkplatz wieder, hinter dem sich eine Ansammlung einfacher kleiner Hütten befand. Einfache Tische. Abgenutzte Plastikstühle. Wir setzten uns und fragten uns, worauf ich uns da wohl eingelassen hatte.

image - 2026zz-10-30T090451.897 copy.png

image - 2026-10-30T0904897 copy.png

Ein älterer Herr mit zahlreichen Tätowierungen und deutlich weniger Zähnen kam mit einigen Gläsern von zweifelhafter Sauberkeit und einem Tongefäß voller trüber, weißer Flüssigkeit auf uns zu.

Herr Shali begann einzuschenken. Selbst Chatterjee sah skeptisch aus. „Das trinke ich nicht.“

Die Fliegen zeigten unterdessen deutlich mehr Begeisterung.

Herr Shali, der selbst keinen Alkohol trinkt und Vegetarier ist, versicherte uns, dass das alles völlig normal sei. Der Toddy, erklärte er, wird aus dem Saft von Kokospalmen gewonnen – nicht aus dem Kokoswasser in den Früchten. Der Saft wird direkt von den Bäumen gesammelt und beginnt auf natürliche Weise zu fermentieren. Aus dem frischen Saft vom Morgen wird bis zum Nachmittag also etwas deutlich Interessanteres.

Wir probierten ihn. Eigentlich … gar nicht schlecht. Ein bisschen wie Kokoslimonade, mit einem leichten Prickeln auf der Zunge.

Unser Gastgeber kam mit Tellern voller Maniokpüree und Garnelencurry zurück. Weitere Fliegen gesellten sich dazu, um das Mittagessen zu begutachten.

Wir tranken aus und verspürten plötzlich noch mehr Lust, den Strand zu sehen.

Ein leicht beschwipster Ausflug ans Meer

Der Strand war wunderschön. Lange Sandstrände, wunderbar unkommerzialisiert und weit und breit keine einzige Sonnenliege. Ganz anders als die Strandszene in Goa, die wir uns vorgestellt hatten.

Herr Shali schien genau das sehr zu schätzen.

Ein wenig beschwipst machten wir mit unseren neuen Freunden Selfies im Sand. Von einer zufälligen Begegnung an einer Tankstelle über Kokosseil-Rennen und einen inkognito auftretenden Chef bis hin zu einem Krug mit trüber Flüssigkeit in einer kleinen Hütte. Für die Fußmattenbranche war das durchaus ein arbeitsreicher Tag.

image - 2026-10-30T090503.661.png

Und ich kann erfreulicherweise berichten, dass der Toddy keinerlei unangenehme Folgen hatte.

Das Einzige, was Schaden genommen hat, war Chatterjees Würde nach seiner kurzen Karriere als Vorgesetzter von Hari.

Damit hätten wir also unsere kleine Gruselgeschichte zu Halloween. Zu Hause hoffe ich, dass die einzigen Geister, die euch Probleme bereiten, jene sind, die aus euren Regalen verschwinden. Und da Weihnachten ebenfalls immer näher rückt, werft einen Blick auf die Weihnachtskollektion und die Neuheiten.

Ich wünsche euch ein wahrhaft schauriges Wochenende.

Passt auf euch auf,

Teilen: